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  • Datum: 23.06.2014
  • Pressemitteilungen
  • Kunde: Montag Stiftung

Vier Kunstschaffende und 100.000 Chancen - Partizipatives Kunstprojekt startet am Borsigplatz

Dortmund/Bonn. In der Dortmunder Nordstadt startet das partizipative Kunstprojekt Public Residence: Die Chance. Ein Jahr lang werden vier Künstlerlinnen und Künstler am Borsigplatz leben und mit der Bevölkerung gemeinsame Kunstprojekte verwirklichen. Das Gemeinschaftsprojekt der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und des Vereins Machbarschaft Borsig11 möchte mit den Mitteln der Kunst vor Ort Impulse geben, gesellschaftliche Teilhabe anregen und Kreativität freisetzen.

Das Künstlerquartett – das sind Susanne Bosch, Frank Bölter, Miss Andžu und Henrik Mayer – kommt mit vielen verschiedenen Ideen nach Dortmund. So soll eine Borsig-Guerilla entstehen, Straßen- und Ortsnamen sollen umgetauft werden. In Gemeinschaftsaktionen sollen Autos und ganze Schulen aus Papier gefaltet werden. Im Mittelpunkt steht hier aber nicht das fertige Kunstwerk. Entscheidend sind die Prozesse, die dieses entstehen lassen: das gegenseitige Kennenlernen, das Austauschen von Ideen, das gemeinsame Arbeiten.

„Public Residence: Die Chance ist ein künstlerisches Experiment“, gibt Ruth Gilberger, Vorständin der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, zu bedenken: „Erprobt werden Möglichkeiten der Veränderung kleinräumiger urbaner Strukturen mit künstlerischen Mitteln. Möglichst viele Anwohnerinnen und Anwohner sollen am kreativen Prozess teilnehmen und sich als Autoren der gemeinsamen Arbeit verstehen.“

Dabei ist die Beteiligung der Menschen vom Borsigplatz gleichzeitig Voraussetzung und Ziel der Arbeit. Mit einer Kunstwährung, den „Chancen“, die im Quartier verteilt werden, können alle Interessierten des Quartiers die Kunstprojekte ihrer Wahl fördern. „Die Künstlerinnen und Künstler werben um Chancen, können diese zur Umsetzung der Projekte in Material tauschen oder für Zeitstunden der Bevölkerung ausgeben, die so im Kreislauf weiter zirkulieren“, erklären Volker Pohlüke und Guido Meincke von Borsig11: „Mit jeder investierten Zeitstunde, d.h. neu ergriffenen Chance erhöht sich der Mehrwert für die Öffentlichkeit.“

 

Auf dem Foto von links:

Miss Andžu (Public Residence), Henrik Mayer (Public Residence), Volker Pohlüke (Borsig11), Susanne Bosch (Public Residence), Guido Meincke  (Borsig11), Ruth Gilberger (Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft) und Frank Bölter (Public Residence).

Foto: Knut Vahlensieck

Hintergrundinformationen

Förderpreis faktor kunst 2013

Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft lobte ihren Förderpreis faktor kunst 2013 zum Thema „Jeder Fünfte. Armut in der Stadt“ aus. Mit der Auszeichnung möchte sie soziale Verantwortung und kulturelle Förderung verbinden und Wertschätzung für das gesellschaftliche Engagement von Kulturschaffenden ausdrücken. Ausgezeichnet wurde das partizipative Kunstprojekt Public Residence: Die Chance, das mit seinem Veränderungspotenzial gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, impulsgebend wirkt und auf Nachhaltigkeit angelegt ist. Die Stiftung stellt für die Umsetzung 200.000 Euro zur Verfügung. Sie begleitet und unterstützt die Projektarbeit.

Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft

Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft engagiert sich für eine Verankerung von künstlerischen Ideen, Konzepten und Projekten in einer Gesellschaft, in der jeder Mensch die Möglichkeit hat, die vielfältigen Ausdrucksformen der Kunst kennenzulernen und ihr Potenzial für sich zu entdecken. Sie unterstützt Kunst- und Kulturschaffende darin, sich für eine chancengerechte Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen gleichermaßen an den materiellen und immateriellen Kulturgütern teilhaben. Sie trägt dazu bei, mit den Mitteln der Künste die alltäglichen Lebensverhältnisse von Menschen spürbar und nachhaltig positiv zu gestalten. Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft initiiert, fördert und begleitet partizipative Kunstprojekte mit Veränderungspotenzial. Sie ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung und gehört zur Gruppe der Montag Stiftungen in Bonn.

Machbarschaft Borsig11

Machbarschaft Borsig11 e.V. wurde im Juni 2011 als Verein gegründet mit dem Ziel, am Dortmunder Borsigplatz eine lokale multikulturelle Bürgergesellschaft zu schaffen. Der Verein praktiziert und fördert interkulturellen Austausch und kreative Stadtentwicklung, erprobt partizipative Gesellschaftsformen, faire Wirtschafts- und nachhaltige Lebensformen im direkten nachbarschaftlichen Umfeld. Träger der Entwicklung ist die Bevölkerung vor Ort. Das Wohn- und Arbeitsprojekt in der Dortmunder Nordstadt bietet günstigen Wohnraum und viel Freiraum zur kreativen Gestaltung. Borsig11 ist ein Labor für kulturelle, soziale und ökonomische Praktiken, das die Gegebenheiten vor Ort aufnimmt und neue Möglichkeiten sichtbar macht. Entstanden ist der Verein in der Nachfolge von „2-3 Straßen“, dem Autorenprojekt von Jochen Gerz zur europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010.

Die Künstlerinnen und Künstler in Public Residence

Susanne Bosch

Die Künstlerin und Kunstforschende Susanne Bosch reist direkt von Malaysia ins Ruhrgebiet. Sie bringt langjährige Erfahrung aus internationalen partizipatorischen Kunstprojekten wie zum Beispiel aus Palästina, Spanien, der Türkei und Irland mit, wo sie sich mit bekannten Künstlerkollegen und den Anwohnern vor Ort mit dem Demokratiebegriff auseinandersetzt. Dabei spielen das Überleben, Geld und Arbeit, Migration, gesellschaftliche Visionen und Beteiligungsmodelle eine entscheidende Rolle.

Frank Bölter

Der Wahlkölner Frank Bölter verbindet Teilhabe mit Hingabe. Partizipation und Eigenverantwortung schafft er mit dem langfristigen Arbeiten an einzelnen Ideen. Dabei konzentriert er sich auf lokale Umgebungen und die Menschen, die unmittelbar davon berührt werden. In einem kleinen ostwestfälischen Dorf zum Beispiel baute er mit seinen Nachbarinnen und Nachbarn ein lebensgroßes Papierhaus. Eingebettet in einen Kommunikationsprozess lässt er Soldaten und Flüchtlinge aus Kriegsgebieten je einen Panzer aus Papier falten und sieht, wie der eine im Müll und der andere im Museum landet.

Miss Andžu

Was verbindet deutsche Frauen und Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien? Miss Andžu findet eine Antwort auf diese Frage in den Schnittmusterbögen von Burdamoden, die historische, kulturelle und persönliche Lebensentwürfe skizzieren. Im fertigen Kleidungsstück kommen diese Gemeinsamkeiten zum Ausdruck, Kleiderschränke werden Archive gelebter Geschichten. Miss Andžu interessieren soziokulturelle Räume, die zwischen der Möglichkeit zu scheitern und der Hervorbringung überraschender Handlungsorientierungen lavieren. An solchen Orten helfen keine sozialromantischen Utopien, sondern nur die Annäherung an die konkrete Wirklichkeit.

Henrik Mayer

Mobiles Fitnessstudio, Migration Learning Center, Global Dinner: Was nicht nach Kunst klingt, da steckt ganz viel Kunst drin. Henrik Mayer ist mit seinem Partner Martin Keil als REINIGUNGSGESELLSCHAFT in den Städten dieser Welt unterwegs. Wie die Gebrüder Grimm sammelt er die Geschichten von Anwohnern, um sie im öffentlichen Raum wieder zu erzählen. So zeigt Mayer etwa mit öffentlich zugänglichen Spinning Bikes, die Strom produzieren, spielerische Lösungsansätze für gesellschaftliche Problematiken wie Gesundheit, Demographie und erneuerbare Energien auf. Nach Dortmund reist er allein. Ein Grund mehr, mit den Anwohnern in Kontakt zu treten.

Kurzkonzept „Public Residence: Die Chance“

Vier Künstlerinnen und Künstler wohnen ein Jahr mietfrei (+ Honorar) in Public Residence am Borsigplatz. Jeder realisiert ein partizipatives Projekt im öffentlichen Raum, das er für die Bewerbung konzipiert und vor Ort an die Gegebenheiten anpasst. Das Budget für die jeweiligen Projekte wird von der Bevölkerung des Quartiers zugewiesen. Ihre Beteiligung ist Voraussetzung und Ziel der Arbeit.

Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhält die Option auf 100 „Chancen“ (Währung C/€ 1:1). Das Budget ist für 1.000 Teilnehmende hinterlegt. Dieser Wert wird nur real, wenn er in den öffentlichen Raum investiert wird. Die Kunstschaffenden werben um Chancen, können diese zur Umsetzung der Projekte in Material tauschen oder als Chancen-Geld wieder für Zeitstunden der Bevölkerung ausgeben, die so im Kreislauf weiter zirkulieren. Mit jeder investierten Zeitstunde, d.h. neu ergriffenen Chance erhöht sich der Mehrwert für die Öffentlichkeit.

Die künstlerischen Projekte sollen das Chancen-System als Werkzeug nutzen und darauf ausgerichtet sein, eine breite Beteiligung der Bevölkerung vor Ort zu provozieren. Sie erproben künstlerische Strategien und initiieren kreative Prozesse, die sich verstetigen und nach Ende der Projektlaufzeit weitergeführt werden. Eine nachhaltige Perspektive bestünde z.B. in der Etablierung der Chance als eigenständiger Währung für kulturelle, soziale oder ökonomische Teilhabe.

Die Chance besteht in einer Veränderung des Quartiers durch die kreative Energie der Bevölkerung, die reichlich vorhanden, häufig aber in isolierten Kontexten gebunden ist. Solche Ressourcen sollen mit künstlerischen Mitteln erschlossen und freigesetzt werden. Public Residence: Die Chance knüpft an die Erfahrungen der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 an (Jochen Gerz: 2-3 Straßen). Ziel ist eine Praxis sozialer Kreativität, die nachhaltige soziale, kulturelle und ökonomische Perspektiven eröffnet.

Public Residence: Die Chance ist ein Projekt von Machbarschaft Borsig11, Förderpreisträger der Auslobung faktor kunst 2013 der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft zum Thema „Jeder Fünfte. Armut in der Stadt“. Das Projekt wird von beiden Partnern in enger Zusammenarbeit umgesetzt.

Projektlaufzeit: 01.06.2014 – 31.05.2015

 

 

Fragen und Antworten

Was ist „Public Residence“?

Public Residence heißt übersetzt: öffentlicher Wohnsitz. Von Juni 2014 bis Mai 2015 wohnen vier Künstlerinnen und Künstler in Public Residence am Borsigplatz, um gemeinsam mit der Bevölkerung partizipative Kunstprojekte zu verwirklichen. Ihre Aufgabe ist es, neue Öffentlichkeiten herzustellen, in denen echte Teilhabe möglich ist und die Bevölkerung sich aktiv an der Gestaltung ihres Quartiers beteiligt.

Was will das Projekt erreichen?

Public Residence: Die Chance ist ein künstlerisches Experiment. Erprobt werden Möglichkeiten der Veränderung kleinräumiger urbaner Strukturen mit künstlerischen Mitteln. Insbesondere geht es um die Beförderung sozialer Kreativität in einem Quartier mit besonders hoher kultureller Diversität. Möglichst viele Anwohnerinnen und Anwohner sollen am kreativen Prozess teilnehmen und sich als Autoren der gemeinsamen Arbeit verstehen. Ihre Beteiligung ist Voraussetzung und Ziel des Projekts.

Was sind „Chancen“?

Chancen sind eine Kunstwährung für den öffentlichen Raum, die eigens für die Realisierung der partizipativen Kunstprojekte eingeführt wird. Chancen sind nicht für den privaten Konsum einsetzbar, sondern im sozialen Leben wirksam. Sie können ausschließlich für die Umsetzung der gemeinnützigen Projekte im Rahmen von Public Residence: Die Chance eingesetzt werden, die die Künstlerinnen und Künstler in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung des Quartiers entwickeln.

Wie funktionieren „Chancen“?

Die Kunstwährung ist mit Geldmitteln hinterlegt. 1 Chance entspricht 1 Euro. Bis zu 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner des Borsigplatz-Quartiers können je 100 Chancen erhalten, die sie investieren können (s.o.). So kann die Bevölkerung direkt mitentscheiden, in welche Projekte „ihr“ Fördergeld investiert wird. Im Idealfall packen sie selbst mit an. Ihr Engagement wird mit neuen Chancen honoriert. So entsteht ein Kreislauf, der Beteiligung begünstigt und den Stadtteil belebt.

Wie ist das Projekt organisiert?

Die Projektleitung von Public Residence: Die Chance übernimmt Machbarschaft Borsig11. Der Verein gibt die Chancen heraus, ist Ansprechpartner für alle Belange vor Ort, organisiert den Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten, unterstützt die Künstlerinnen und Künstler bei der Kontaktaufnahme zur Bevölkerung und koordiniert die lokale Öffentlichkeitsarbeit. Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft stattet das Projekt finanziell aus und übernimmt die kuratorische Begleitung bei den Einzelprojekten der Kunstschaffenden. Sie unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit, bringt überregionale Kontakte ein und hilft bei Dialog und Verzahnung mit möglichen weiteren Partnern.

 

Ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Projektpartner

Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft: Sylvia Lösche

Telefon +49 (0) 228 26716-554

s.loesche@montag-stiftungen.de

Machbarschaft Borsig11 e.V.: Volker Pohlüke und Guido Meincke

Telefon +49 (0) 231 804 18 150

meincke@borsig11.de

Pressekontakt

Denkwerkstatt der Montag Stiftungen: Gerhard Wolff

Telefon +49 (0) 228 26716-634

Mobil: +49 (0) 171-105 64 11

g.wolff@montag-stiftungen.de

 

Weitere Information zum Projekt unter:

www.montag-stiftungen.de/

www.borsig11.de/

MontagStiftungKuG

Borsig11

 

@MSKunst_Bonn

@Borsig11

 

blog.faktor-kunst.com

www.public-residence.de/