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  • Datum: 27.04.2017
  • Pressemitteilungen
  • Kunde: Westfälische Industrieklub e.V.

Prof. Dr. Helmut Ebert referierte im Westfälischen Industrieklub

„Auf gut Deutsch“ – Luther und die deutsche Sprache

Dortmund, 27. April 2017.  Martin Luther hat nach Auffassung von Dr. Helmut Ebert, Experte für Unternehmenskommunikation und Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Bonn, die deutsche Sprache bedeutend mitgeprägt. „Vor Luther gab es keinen gemeinsamen Standard und keine gesamtdeutsche Sprache – weder in räumlicher und funktionaler noch in sozialer Hinsicht“, erklärte er in seinem Vortrag zum Einfluss Luthers auf die deutsche Sprache vor den Mitgliedern des Westfälischen Industrieklubs. „Nur einige wenige Wörter waren in den damaligen vier großen Sprachlandschaften Nieder-, Mittel-, Ober- und Schweizerdeutsch gemeingebräuchlich – darunter ‚Haus’, ‚Vater’, ‚drei’, ‚hoch’, ‚springen’ oder ‚du’.“

Zwar gab es bereits erste Ansätze eines Sprachausgleichs in Ostmitteldeutschland, doch erst Luthers Bibelübersetzung, für die er eine Sprachform der Mitte zwischen Ober- und Niederdeutsch wählte, trug maßgeblich dazu bei, dass sich die Deutschen zwischen Küste und Alpen heutzutage eines gemeinsamen Vokabulars bedienen. Eine Standardisierung der Aussprache, so Professor Ebert, sei allerdings erst im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgt.

„Als Luther auf den Plan trat, tat er das als Sprecher einer für die deutsche Sprache einflussreichen ostmitteldeutschen Landschaft, die dann durch die Reformation eine Vorrangstellung erhielt und durch die Autorität der Bibel zum Angelpunkt der Entwicklung unseres heutigen Deutsch wurde“, erläutert Ebert. Quellen der Sprachmacht Luthers seien insbesondere sein Elternhaus, die Schule, das Studium, die Bibelprofessur, der Briefwechsel, das Reisen sowie die Kanzleisprache und der Volksmund gewesen.

 Foto: Jan Heinze  

Auf dem Foto von links: Dirk Rutenhofer, 1. stellvertretender Vorsitzender des Westfälischen Industrieklubs, Dr. Helmut Ebert, Experte für Unternehmenskommunikation und Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Bonn und Joachim Punge, Vorstandsvorsitzender des Westfälischen Industrieklubs.

Eine der größten Errungenschaften des Reformators sieht Ebert in dessen Rolle als Schöpfer neuer Bedeutungen – und damit als Schöpfer einer neuen geistig-kulturellen Infrastruktur. Begriffe wie „anfahren“ im Sinne von jemanden heftig ansprechen, „fassen“ im Sinne von etwas begreifen oder „Memme“ für einen ängstlichen Menschen gehen auf Luther zurück. Bezeichnungen wie „Pfaffe“ oder „Götze“ (früher einfach nur ein Heiligenbildchen) wurden erst durch ihn negativ besetzt. Vor allem aber füllte Luther religiöse Wörter wie „Glaube“, „Gnade“, „Buße“ oder „rechtfertigen“ mit neuen Inhalten. Er untergrub mit seiner volksnahen Bibelsprache nicht zuletzt das Wissensmonopol der Kirche und setzte an dessen Stelle die persönliche Bibelkenntnis. Damit schuf er auch ein neues Verständnis zwischen Gott und Mensch. „Die neuen Sichtweisen, Ideen oder Vorstellungen, die mit diesen Begriffen verbunden wurden, wurden im Laufe der Zeit von einem immer größer werdenden Publikum geteilt und verstanden. Luther traf damit den Nerv der Zeit. Er brachte die Hoffnungen der Zeitgenossen auf den Punkt“, betont Ebert die sprachliche Fokussierungsleistung des ehemaligen Augustinermönchs.

Luther wusste die Bibel durch die Verwendung der Alltagssprache sowie durch Sprachklang, Sprichwörter und Redewendungen in ein natürliches und lebendig gesprochenes Deutsch zu übersetzen. „Da es im 16. Jahrhundert in Deutschland kein politisches Zentrum gab, war die Autorität des Bibelwortes entscheidend für den prägenden Einfluss von Luthers Sprache auf das heutige Deutsch“, berichtet Ebert. Und das bis in die heutige Zeit hinein. So geht das Großschreiben von Substantiven in hohem Maße auf Luther zurück. Es gäbe ohne Luther kein „Machtwort“, keinen „Schandfleck“ oder „Lückenbüßer“. Redewendungen wie „Rat und Tat“, „Fleisch und Blut“ oder „Milch und Honig“ würde man vergeblich suchen. Und Sprichwörter wie „Sein Licht unter den Scheffel stellen“ oder „Perlen vor die Säue werfen“ machte er erst populär.


Über den Westfälischen Industrieklub

Der „Westfälische Industrieklub e.V.“ wurde 1918 gegründet und versteht sich seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2000 als „Wirtschaftsklub“. Er bezweckt die Förderung der allgemeinen ideellen und wirtschaftlichen Interessen der heimischen Industrie, der Wirtschaft, des öffentlichen Lebens und seiner Mitglieder. Er strebt diese Ziele insbesondere durch Austausch beruflicher Informationen und Erfahrungen, durch Vorträge und sonstige Anregungen aller Art an. Aktuell gehören dem Dortmunder Klub über 500 Persönlichkeiten an.

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